Von April 2026 bis März 2030 wird das Klinikum Darmstadt sieben Millionen Euro investieren, um seine Energieeffizienz, seinen Energieeinsatz und seinen Energieverbrauch zu verbessern.
Das Projekt und die Förderung
Klimaschutz im Krankenhaus
Positionen der Deutschen Krankenhausgesellschaft zur Nachhaltigkeit

Das Positionspapier der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zum Klimaschutz im Krankenhaus betont die Rolle der Krankenhäuser als Energie-Großverbraucher und die Notwendigkeit, Klimaschutz als vorrangiges Ziel im Krankenhausfinanzierungsgesetz zu verankern.
Das Klinikum Darmstadt
Kommunaler Maximalversorger in Südhessen mit der höchsten Versorgungsstufe
Die Klinikum Darmstadt GmbH ist ein kommunaler Maximalversorger in Südhessen mit der höchsten Versorgungsstufe. Am innerstädtischen Standort stehen 1.000 Betten bereit. 22 Kliniken und Institute, von der Augenheilkunde bis zur zentralen Notaufnahme, darunter drei große Intensivstationen machen das große medizinische Versorungsspektrum deutlich. Das Krankenhaus zeichnet sich durch eine moderne Medizintechnik, weitgehende Digitalisierung, ein umfassendes Qualitätsmanagement und eine breit aufgestellte Krankenhaushygiene aus. Bei speziellen diagnostischen und therapeutischen Verfahren hat das Klinikum Darmstadt Alleinstellungsmerkmale in der Region. Es ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Frankfurt und Mannheim/Heidelberg und Akademisches Lehrkrankenhaus für Pflege in Kooperation mit der FOM Hochschule. Zur GmbH, die der größte kommunale Arbeitgeber in der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist, gehören 3.350 Mitarbeitende.
Ausgangslage
Wo stand das Klinikum Darmstadt vor der Umsetzung?

Die Stadt Darmstadt hat 2022 einen kommunalen Klimaschutzplan erlassen und strebt die Treibhausgasneutralität sämtlicher Objekte und Unternehmen im Einflussbereich des Magistrats bis zum Jahr 2035 an.
Die im Zuge der Klimaschutzplanung definierten Maßnahmen betreffen die Stadt und ihre Bürger; zusätzliche Maßnahmen zur Umsetzung in Tochtergesellschaften und Eigenbetrieben sind separat zu entwickeln und im Rahmen eines festgelegten Klimavorbehalts abzustimmen. Die Stadt Darmstadt hat hierfür ein eigenes Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung eingesetzt und plant die Verstärkung der eigenen Pressestelle für klimaschutzbezogene Öffentlichkeitsarbeit.
Der Gebäudebestand des Klinikums ist in großen Teilen weniger als 15 Jahre alt. Zuletzt wurde 2020 ein zentraler Neubau in Betrieb genommen. Hierbei sind auch drei Kliniken, die bisher am Standort Eberstadt ansässig waren, an den Standort Darmstadt-Innenstadt umgezogen. Im Zuge der Neubebauung wurde die zentrale Energieversorgung des Standorts neu aufgesetzt; erzeugerseitig sind die Anlagen nachhaltig ausgelegt und auf neuestem Stand.
Das Klinikum Darmstadt als gemeinnützige GmbH in städtischer Trägerschaft plant zur Einhaltung der kommunalen Klimaschutzplanung in den kommenden Jahren seinen Energiebedarf signifikant zu senken und um 2030 ein Transitionskonzept zu erstellen. So wurde auf Basis einer umfassenden Energieberatung zur Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Nutzung erneuerbarer Energien ein kommunales Modellprojekt aufgesetzt.
Am Standort Innenstadt hat das Klinikum 2025 38 Gigawattstunden (GWh), also 38 Millionen Kilowattstunden (kWh) Energie verbraucht: darunter 11 GWh Strom, <1 GWh Fernwärme und 26 GWh Erdgas. Unter Einsatz von 15,1 GWh Erdgas wurden 5,1 GWh Strom und 6,8 GWh Wärme in den Blockheizkraftwerken erzeugt. Erdölbasierte Kraftstoffe fallen nicht wesentlich ins Gewicht (< 1%).
Seit 2021 konnte der Energiebedarf des Hauses um 8 % reduziert werden. Für weitere Einsparungen sind Investitionen erforderlich, die im Rahmen des Förderprojekts bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollen.
Beratend unterstützt wird das Projekt durch das Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Das Projekt und die Ziele
Der Weg zur klimaschonenden Krankenhausversorgung

Im Jahr 2023 hat das Klinikum Darmstadt eine umfassende Energieberatung beauftragt, um Lösungen zu finden, mit denen das Haus signifikant Energie einsparen und erneuerbare Energien nutzen kann. Darauf aufbauend hat das Krankenhaus ein Konzept ausgearbeitet, wie diese Lösungen umgesetzt und finanziert werden können.
Dem entsprechenden Förderantrag aus dem Jahr 2024 wurde im Februar 2026 stattgegeben. Geschäftsführung und Aufsichtsrat haben der Umsetzung der geplanten Maßnahmen bereits zugestimmt. „Wir freuen uns, dass wir in dem zweistufigen Bewerbungsverfahren mit unserem Konzept überzeugen konnten“, so Dr. Carsten Cuny, der das Projekt leitet.
Die geplanten Maßnahmen wie der Aufbau von Photovoltaikanlagen, Wärmerückgewinnung aus Druckluft- und Kälteanlagen, der Einbau von Wärmepumpen sowie die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden wurden in einem Projekt zusammengeführt. Von April 2026 bis März 2030 wird das Krankenhaus sieben Millionen Euro investieren, um seine Energieeffizienz, seinen Energieeinsatz und seinen Energieverbrauch zu verbessern.
Hauptziele sind dabei die Steigerung der Energieeffizienz, Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie die Reduzierung der Energiekosten. Durch das bereits eingeführte Energiemanagementsystem soll der Energieverbrauch aktiv gesteuert und kontinuierlich reduziert werden. Die maximale Energieeinsparung soll bis zum Jahr 2030 erreicht werden.
Nach Abschluss des Projekts soll ein Transitionskonzept bis zum Jahr 2035 erstellt und damit ein realisierbarer Weg zur klimaschonenden medizinischen Bevölkerungsversorgung aufgezeigt werden.
Die Förderung
Die nationale Klimaschutzinitiative
Klimaschutz braucht uns alle. Genau jetzt. Denn die nationalen Klimaschutzziele sind klar: Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral sein. Deshalb fördert und initiiert die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Klimaschutzprojekte in ganz Deutschland – und hier in Darmstadt.
Co-Benefits
Was nützt der Klimaschutz dem Klinikum Darmstadt?
Co-Benefits für das Unternehmen Klinikum Darmstadt sind etwa die Steigerung der Nachhaltigkeit im Allgemeinen, die nachhaltige und von geopolitischer Lage unabhängigere Aufstellung der Energieversorgung im Speziellen oder der sommerliche Hitzeschutz in den sanierten Bestandsgebäuden als Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung für vulnerable Bevölkerungsgruppen (Krankenhauspatienten).
Durch die Wärmerückgewinnungsanlagen und die damit verbundene Nutzung von Abwärme kann gerade in den Sommermonaten verhindert werden, dass zusätzliche Wärme in die nähere Umgebung abgegeben und damit die Innenstadt zusätzlich aufgeheizt wird.
Durch die signifikante Reduktion der Treibhausgasemissionen wird ein Beitrag zur Luftreinhaltung und damit zur Gesundheut der Anwohner im innerstädtischen Kontext des Klinikums Darmstadt geleistet.
Modellhaftigkeit und Strahlkraft
Warum ist das Projekt im Klinikum Darmstadt auch für andere interessant?

Der Gesundheitssektor ist einer der großen CO2-Emittenten weltweilt und in einer geradezu zwiegespaltenen Situation: Einerseits ist es sein Ziel, die Versorgung der Menschen sicherzustellen und dabei andere Belange wie wirtschaftliche, technische oder etwa energetische Fragen zurückzustellen. Anderseits schädigt er durch Treibhausgase die Umwelt und das Klima und damit auch die Gesundheit der Bevölkerung.
Das Klinikum Darmstadt eignet sich wegen seiner mittleren Größe, der maximalen medizinischen Versorgungsstufe sowie aufgrund seiner geografischen und innerstädtischen Lage im Klima-Hotspot Südhessen als Modell für andere Krankenhäuser im Handlungsfeld Energie- und Ressourceneffizienz.
Zudem ist das Krankenhaus eingebunden in außergewöhnlich fortgeschrittene und vorzeitige Bestrebungen seiner Trägerin, der Stadt Darmstadt.
Ein Krankenhaus mit seinem hohen Energiebedarf im Vergleich zu anderen kommunalen oder öffentlichen Gebäuden oder Betrieben ist besonders relevant und schwierig auf eine THG-Neutralität umzustellen. Für Krankenhäuser bedeutet die Transformation der Energieversorgung im laufenden Betrieb ein komplexes Unterfangen: Transformation in gewachsenen Versorgungsstrukturen, immer unter Erhaltung der Versorgungssicherheit und redundanter Versorgungswege zum Schutz von Leib und Leben der Patientinnen und Patienten, sowie zur Erfüllung des öffentlichen Versorgungsauftrags. So dürfte das Darmstädter Modell zu einem Beispiel für andere Häuser mit der gleichen Umstellungsproblematik werden und Anreiz geben, diesem Vorbild zu folgen.
Darüber hinaus ist die Sanierung statt eines kompletten Neubaus die häufigste Ausgangsbedingung für die Transition von Krankenhäusern. Die im Rahmen des Modellprojekts in Darmstadt gesammelten Erfahrungen werden daher typisch für viele andere Kliniken und hoch replizierbar sein.
Die Energiekosten sind aufgrund des hohen Verbrauchs wesentlicher Bestandteil der laufenden Ausgaben von Krankenhäusern. Die aktuelle Krankenhausreform wird die Finanzierung der Häuser grundlegend verändern. Weiterhin wird klimaschonendes Verhalten aber wohl nicht honoriert werden (Stand 2026). Allerdings liegt es im Interesse der Unternehmen, bei steigenden oder stark schwankenden Energiekosten die Menge der eingekauften Energie zu verringern.
Das Klinikum Darmstadt hat seine direkten THG-Emissionen bereits seit mehr als zehn Jahren signifikant reduziert und verfügt bereits über einen geringen Netto-CO2-Fußabdruck (Skope 1-2).
Das Projekt soll mit etablierten und am Markt verfügbaren Lösungen Wege aufzeigen, einen Maximalversorger auf der höchsten Versorgungsstufe nachhaltiger und langfristig wirtschaftlicher aufzustellen.